
Nominalkomposition im Indogermanischen steht genau an der Schnittstelle von Morphologie, Akzentologie und Semantik, was sie zu einem der umstrittensten und zugleich interessantesten Problemfelder des Fachs macht.
In dem Seminar werden die morphologischen und semantischen Typen behandelt, die sich für die Grundsprache rekonstruieren lassen. Zudem wird der Frage nachgegangen, warum die Nominalkomposita die Indogermanistik vor so große Herausforderungen stellen. Wir werden uns mit den produktiven Kompositionstypen des Vedischen und des Altgriechischen beschäftigen und sie mit weniger stark kompositionsfreudigen Sprachen wie dem Hethitischen, dem Lateinischen oder dem Tocharischen vergleichen. Schließlich werden wir die Frage stellen, welche Kompositionstypen mit Sicherheit für das Spätindogermanische rekonstruiert werden dürfen und was sich erst unabhängig voneinander in den Einzelsprachen entwickelt hat. Eine weitere wichtige Fragestellung wird sein, wie sich dieses System im Spätindogermanischen entfaltet hat und welche Rückschlüsse sich daraus für die interne Rekonstruktion noch älterer Sprachschichten ergeben.
Im Zentrum wird dabei das traditionelle System von Jochem Schindler stehen, wir werden uns aber auch mit aktuellen Kompositionstheorien der Allgemeinen Sprachwissenschaft auseinandersetzen. Das Seminar bietet somit ein breites Spektrum an Themen für Seminararbeiten: von theoretischen Fragestellungen über detaillierte Untersuchungen zu einzelnen indogermanischen Kompositionstypen bis hin zu Fragen oder Materialsammlungen komponierter Formen in Einzelsprachen.
- Lehrende*r: Malzahn Melanie