Phonologische Prozesse in den romanischen Sprachen

Dieses Bachelorseminar hat zum Ziel, die wichtigsten phonologischen Prozesse in den modernen romanischen Sprachen (F/I/S/P/R) zu analysieren. Die romanischen Sprachen bieten ein außergewöhnliches Labor für die Untersuchung phonologischer Prozesse, da sie – ausgehend von einem gemeinsamen Ursprung, dem Latein – divergente Entwicklungen aufweisen, die zudem aus sehr unterschiedlichen theoretischen Perspektiven untersucht worden sind.

Neben zahlreichen Assimilationsprozessen und einigen Verstärkungsprozessen werden wir besonders detailliert einige berühmte Sandhi-Phänomene betrachten (wie die liaison und das raddoppiamento fonosintattico) sowie distanzassimilatorische Prozesse zwischen Vokalen, insbesondere jene, die unter dem Namen Metaphonie zusammengefasst werden. Diese Prozesse werden sowohl in ihrer synchronen Dimension (wie sie heute in den einzelnen Sprachen funktionieren) als auch in ihrer diachronen Dimension (wie sie entstanden sind und welche allgemeinen Muster sie innerhalb der romanischen Sprachfamilie erkennen lassen) untersucht. Neben der Systematisierung der Daten dieser Prozesse werden wir verschiedene Erklärungsansätze analysieren, die in sehr unterschiedlichen theoretischen Rahmen vorgeschlagen wurden.

Das Seminar erfordert eine aktive Beteiligung der Studierenden, die kritische Lektüre von Fachliteratur, mündliche Präsentationen sowie die Diskussion ausgewählter Phänomene. Das Seminar schließt mit der Ausarbeitung einer 20-seitigen Seminararbeit oder einer 40-seitigen Bachelorarbeit, je nach Interesse der Studierenden, deren Thema in Verbindung mit den Seminarinhalten steht und individuell in Absprache mit der Lehrperson festgelegt wird.

Mindestanforderungen (Anwesenheit)

Die Anwesenheit der Teilnehmer*innen im Seminar ist erforderlich, um eine interaktive Arbeitsweise zu ermöglichen, die Themen für Referate und Seminararbeiten zu vergeben, die Referate zu diskutieren und an den Zwischentests teilzunehmen.

Ein zweimaliges unentschuldigtes Fehlen ist zulässig. Ein mehrmaliges Fehlen ohne wichtigen Grund führt zu einer negativen Beurteilung.

Mindestanforderungen (zu erbringende Teilleistungen)

Um positiv beurteilt zu werden, müssen Sie eine Seminar- bzw. Bachelorarbeit nach den Vorgaben der Lehrveranstaltungsleitung abfassen, ein Referat halten, an zwei Zwischentests teilnehmen und mindestens zweimal aktiv mitarbeiten.

Beurteilungsmaßstab

Note 1 (Sehr gut): 87,6-100 Punkte (von 100 Punkten)

Note 2 (Gut): 75,1-87,5 Punkte (von 100 Punkten)

Note 3 (Befriedigend): 62,6-75 Punkte (von 100 Punkten)

Note 4 (Genügend): 50-62,5 Punkte (von 100 Punkten)

Die einzelnen Teilleistungen fließen wie folgt in die Gesamtnote ein:

  • Aktive Teilnahme (5 % der Gesamtnote)
  • Zwei Zwischentests (je 10 % der Gesamtnote)
  • Referat (15 % der Gesamtnote)
  • Seminar- bzw. Bachelorarbeit (60 % der Gesamtnote)

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

In der Lehrveranstaltung gibt es folgende Teilleistungen:

Zwei Tests, bestehend aus jeweils 10 bis 20 Ja/Nein-Fragen. Für die Durchführung dieser Tests ist die Konsultation der im Abschnitt Prüfungsstoff angegebenen Literatur erlaubt.

Von den Studierenden wird außerdem die Präsentation eines Referats zu einem mit der LV-Leitung vereinbarten Thema erwartet (mindestens 10 Minuten).

Es wird eine aktive Beteiligung der Seminarteilnehmer*innen erwartet.

Die Teilleistung Seminar- bzw. Bachelorarbeit muss bis zum 01.09.2026 über Moodle eingereicht werden. Wenn diese Teilleistung negativ beurteilt wird und damit die Beurteilung der gesamten Lehrveranstaltung negativ ist, wird Ihnen eine Verbesserungsmöglichkeit eingeräumt. Sie erhalten ein Feedback mit Kriterien, die Sie erfüllen müssen, damit die Teilleistung noch positiv beurteilt werden kann. Diese Kriterien müssen Sie bis spätestens 30.09.2026 erfüllen, in dem Sie die verbesserte Teilleistung über Moodle erneut einreichen. Sollten Sie die Fristen versäumen oder die Kriterien nicht erfüllen, werden Sie negativ beurteilt.

Falls erforderlich, wird ein verantwortungsvoller und transparenter Einsatz von KI erwartet.

Prüfungsstoff

Theorie:

·       (Pustka 2021: 55-84): Konzepte der Kognitiven Phonologie (das Phonem, phonologische Prozesse, lexikalische Repräsentationen)

·       (Pustka 2011: 73-93): Theorien (Strukturalismus, Generative Phonologie, Autosegmentale Phonologie, Optimalitätstheorie, Exemplaristische Phonologie)

·       (Heinz & Schmid 2021: 67-69): Phonologische Regeln

Französisch:

·        (Pustka 2011: 145-154): Assimilation, Elision, Metathese, Dissimilation, Epenthese

Italienisch:

·       (Heinz & Schmid 2021: 155-156; 165-171): Allophonische Prozesse des Standarditalienischen, Allophonische Prozesse in italienischen Regionalvarietäten

Spanisch:

·       (Pustka 2021: 203-230): Schwächungs- und Stärkungsprozesse

Portugiesisch:

·       (Vigário 2021: 843-851): Vokalreduktion, Zentralisierung von /e/, Monophthongierung von /ow/, Nasalierung, Rhotika, Nasale, Laterale

Rumänisch:

·       (Renwick 2021: 535-541, 544-546): Vokalalternanzen, Metaphonie, Desyllabifizierung des wortfinalen /i/, Einfluss von Nasalen und Labialen auf die Vokale, Vokale im Hiatus

Sandhi:

·       (Pustka 2011: 156-176): Liaison

·       (Heinz & Schmid 2021: 182-186): Die satzphonetische Anlautverdoppelung (raddoppiamento fonosintattico)

·       (Sampson 2016)

·       (Wheeler & O’Neill 2022: 223-232)

 

Heinz, Matthias & Stephan Schmid (2021). Phonetik und Phonologie des Italienischen: Eine Einführung für Studierende der Romanistik. Berlin, De Gruyter.  (https://ubdata.univie.ac.at/AC16553231)

Pustka, Elissa (2011). Einführung in die Phonetik und Phonologie des Französischen. Berlin, Schmidt.  (2016, 2., durchgesehene Auflage: https://ubdata.univie.ac.at/AC16074629; 2011: https://ubdata.univie.ac.at/AC08511762)

Pustka, Elissa (2021). Phonetik und Phonologie des Spanischen: Eine korpuslinguistische Einführung. Berlin, Schmidt. (https://ubdata.univie.ac.at/AC17145061)

Renwick, Margaret E. L. (2021). “Romanian”. In: Trudel Meisenburg & Christoph Gabriel & Randall Gess, eds., Manual of Romance phonetics and phonology. Berlin, De Gruyter: 531-558. (Volltext verfügbar: De Gruyter EBA Package: All eBook Content EBA_EBKALL; Volltext verfügbar: De Gruyter eBooks)

Sampson, Rodney (2016). “Sandhi phenomena”. In: Adam Ledgeway & Martin Maiden, eds., The Oxford guide to the Romance languages. Oxford, Oxford University Press: 669-680. (https://ubdata.univie.ac.at/AC13067535; Volltext verfügbar: Oxford Scholarship Online Backlist 2024 EBA; Volltext verfügbar: Oxford scholarship online eBooks complete)

Vigário, Marina (2021). “Portuguese”. In: Trudel Meisenburg & Christoph Gabriel & Randall Gess, eds., Manual of Romance phonetics and phonology. Berlin, De Gruyter: 839-881. (Volltext verfügbar: De Gruyter EBA Package: All eBook Content EBA_EBKALL; Volltext verfügbar: De Gruyter eBooks)

Wheeler, Max W. & Paul O’Neill (2022). “Sandhi phenomena”. In: Adam Ledgeway & Martin Maiden, eds., The Cambridge Handbook of Romance Linguistics. Cambridge, Cambridge University Press: 209-233. (Volltext verfügbar: Cambridge EBA ebooks Complete Collection)

Semester (Kursübersicht): 2026S